Ina Mecke

Meine erste “Letzte Meile” – Unterwegs mit einem Hermes Zusteller

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Kategorie: Jobs & Karriere, Mitarbeiter & LebenTransport & Logistik


Zugegeben, so ein Paket macht auf seiner Reise vom Versender zum Empfänger auf einigen Etappen Station. Doch die symbolisch wichtigste Etappe ist die so genannte “Letzte Meile”, also der Abschnitt, in dem das Paket vom Depot zum Empfänger gelangt – überbracht von einem Zusteller. Denn nur hier hat der Kunde den direkten Bezug zum Dienstleister.

Im Moment der Paketübergabe wird der Zusteller für den Empfänger zum Gesicht und Ansprechpartner von Hermes. Deswegen ist es wichtig, dass auch Hermes Mitarbeiter aus anderen Bereichen den Ablauf einer Zustelltour kennenlernen. Für Hermes Mitarbeiter aus der Zentrale in Hamburg ist dafür die Niederlassungswoche vorgesehen. Denn nur mit dem praktischen Bezug kann man sich in die Kollegen ‚da draußen‘ hineinversetzen. 

Auch ich war im Mai 2013 mit einem erfahrenen Zusteller auf der letzten Meile unterwegs und habe nicht schlecht gestaunt, was man als Paketbote so alles an einem Tag erlebt:

Unterwegs mit einem Hermes Zusteller

122 Pakete in einer Tour

7:15 Uhr: Pünktlich bin ich in an der Hermes Niederlassung Erfurt angekommen. Der Kollege Mario, mit dem ich heute zustellen soll, ist schon da. Das Band ist aus, wir können anfangen unsere Tour zusammenzustellen. Zum Glück sind die Pakete von der Bandanlage und den Lagermitarbeitern bereits für unsere Tour vorsortiert worden. Alle Sendungen kommen auf Fahrregale, die wir zu einem Tor schieben. Nun fährt Mario unseren Transporter ans Tor und eine Kollegin aus dem Lager scannt die Pakete. Im Auto sortieren wir die Sendungen schon mal nach den einzelnen Ortschaften, damit wir nachher nicht lange suchen müssen.

122 Sendungen. “Das ist ganz schön viel für einen Freitag” sagt Mario. Wir gehen in den Pausenraum und trinken noch einen Kaffee, bevor es losgeht.

Vorsicht, bissig!

8 Uhr: Auf geht’s. Wir fahren auf die A4, es wird eine Überlandtour. Keine Städte, nur kleine Dörfer. Zum Glück ist das Wetter schön. Auf der Fahrt versuche ich, etwas über den Zusteller herauszufinden. Er arbeitet seit über zwanzig Jahren bei Hermes. Die Route, die wir heute fahren, kennt er zwar, aber er fährt sie nicht regelmäßig. Worauf man vor allem in den Dörfern achten muss? Auf die Wachhunde. Manchmal ist das Hoftor offen und es gibt keine Klingel. Da darf man nicht einfach reingehen. Er selbst ist vor ein paar Jahren schon mal gebissen worden. Das kann ja abenteuerlich werden, denk‘ ich mir. Nun fahren wir von der Autobahn ab und biegen auch direkt mit dem großen Auto auf einen tatsächlich sehr abenteuerlich aussehenden Weg, den man wohl kaum als “Straße” bezeichnen kann. So selbstbewusst könnte ich mit so einem großen Transporter nicht auf solchen Wegen fahren.

Hermes Zusteller auf Tour

Hausnummer-Dschungel

8:30 Uhr: Der erste Stopp. Die Hausnummer zu finden war leicht, was nicht selbstverständlich ist. Wir klingeln und siehe da: Es ist jemand zu Hause. Ich habe mein erstes Paket an einen Kunden übergeben. Dieser unterschreibt, wir wünschen ein angenehmes Wochenende und weiter geht es. Schnell erkenne ich, dass das Glück war. Denn nicht immer ist jemand zu Hause, der auf sein Paket wartet. Zwar gibt es oft einen Nachbarn, der als Ersatzempfänger einspringt, aber in Ortschaften, wo manchmal ein einsames Gehöft am Ortsrand liegt, kann man nicht beim Nachbarn zustellen. Und vor so einem Gehöft stehen wir beim zweiten Stopp. Niemand da, wir hinterlassen eine Benachrichtigungskarte, dass wir wiederkommen. Das wird nicht die einzige Benachrichtigungskarte heute bleiben.

Dennoch beschäftigt mich eine Frage: “Woher hast du bloß gewusst, wo diese Hausnummer ist? Ich hätte hier lange suchen können.” Er antwortet: “Erfahrung. Ich war schon mal hier.” Jetzt erkenne ich, wie praktisch es ist, wenn die Zusteller regelmäßig die gleiche Strecke fahren. Gerade was Hausnummern betrifft, ist das eine spannende Angelegenheit. Oftmals sind diese nicht chronologisch geordnet, sondern wurden so vergeben, wie die Häuser gebaut worden sind. Auch bei dieser Tour mussten wir ein Paket wieder mit zurücknehmen, weil wir die Hausnummer nicht gefunden haben.

Eingespieltes Team

Wir kommen zügig voran. Obwohl es viele kleine Ortschaften sind und wir einige davon für nur eine einzige Sendung anfahren, schaffen wir es, bis zu zwanzig Pakete in der Stunde zuzustellen. Wäre ich alleine unterwegs gewesen, wer weiß wie viele Sendungen ich aus Zeitgründen hätte zurückbringen müssen. Die Wege sind teilweise so schmal, dass der Transporter darauf riesig wirkt. Aber das ist für Mario reine Gewohnheitssache: “Das ist doch nicht eng, da war ich schon auf ganz anderen Strecken unterwegs!” lacht er.

Klingel? Fehlanzeige!

Ich bin erstaunt, wie vertrauensselig die Menschen in den Dörfern sind. Zum Teil stehen dort Tore und Türen weit offen und trotzdem ist niemand zu Hause. Bei einigen Gehöften gibt es nicht mal eine Klingel. Diese Häuser kennt Mario schon. Durch Hupen machen wir uns beim Anhalten bemerkbar. Und auch die Hunde fungieren als Klingel. Sie schlagen sofort Alarm, wenn sie merken, dass jemand gekommen ist. Ich bin jedes Mal erleichtert, wenn ich sehe, dass die Hunde bei offenen Toren angeleint sind und denke mit einem mulmigen Gefühl an Marios Hundebiss-Geschichte vom Anfang zurück.

Geschafft

15:20 Uhr: Wir stellen das letzte Paket zu. Dann geht es zurück in die Niederlassung Erfurt. Hier lassen wir noch den Rücklauf aus den PaketShops scannen, bevor wir um halb fünf Feierabend haben. Im Großen und Ganzen hat mir diese Tour Spaß gemacht. Aber dennoch bin ich geschafft, denn anstrengend war es doch. Trotzdem war es für mich eine wichtige Erfahrung zu erleben, wie die Praxis auf der letzten Meile aussieht.


4 Kommentare

  1. AvdB am 19. Juni 2013 um 16:23 Uhr |

    Naja, bei uns ist die Zustellung mit DHL, DPD, UPS etc. in der sog. letzten Meile kein Problem.
    Nur Hermes tut sich da sehr schwer, selbst wenn im Adresszusatz eine Anfahrtsbeschreibung beigefügt wurde.
    Ich warte meistens Wochen auf Sendungen von Hermes, da die Adresse nicht richtig gelesen wurde, daher immer das gleiche Spiel, Benachrichtigungskarte, teurer Rückruf, Zeitverlust.
    Das stinkt mit so langsam, hier muss der gleiche Service wie von anderen Dienstleistern angeboten werden.

    • Björn Wilke am 20. Juni 2013 um 09:10 Uhr |

      Hallo AvdB,

      da wir an einem einwandfreien Service und kurzen Lieferzeiten ein hohes Interesse haben, besorgt uns Ihr Kommentar umso mehr. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten, die Sie unseretwegen in Kauf nehmen müssen.

      Wir werden uns in Kürze mit Ihnen per E-Mail in Verbindung setzen, um dafür zu sorgen, Sie zukünftig auch von unseren Dienstleistungen zu überzeugen.

      Viele Grüße,
      Björn Wilke
      Community Support

  2. Bernd am 22. Juni 2013 um 17:21 Uhr |

    Hallo,

    kann das sein, dass Frau Mecke ein T-Shirt von Hermes trägt?
    Wieso sind bei den SATs keine T-Shirts lieferbar sondern nur Polos.

    • Ina Mecke am 27. Juni 2013 um 14:50 Uhr |

      Hallo Bernd,

      das T-Shirt habe ich über die Niederlassung bestellt. Allerdings gibt es die T-Shirts soweit ich weiß nur für die Lager-Mitarbeiter. Für Kundenbetreuer sind nur Polo-Shirts im Angebot. Warum das so ist, weiß ich leider nicht. Erkundige mich aber gern noch einmal für Sie.

      Viele Grüße,
      Ina Mecke