Buchempfehlung: „Makers: Das Internet der Dinge“

Verfasst von: | Keine Kommentare
Kategorie: Technologie & Innovation, Web & Mobile


Das Web hat die Form wie wir heute an Informationen gelangen, wie wir diese miteinander austauschen, wie wir kommunizieren, wie wir mit anderen zusammenarbeiten und miteinander Handel treiben, grundlegend verändert. Jeder Mensch mit einem Webzugang kann heute mit einfachsten Mitteln Informationen publizieren oder rezipieren, sich mit anderen Menschen rund um den Globus vernetzen und mit ihnen kommunizieren, gemeinsam Projekte oder Geschäftsmodelle mit ihm lediglich virtuell bekannten Personen entwickeln sowie von der Couch aus auf einem anderen Kontinent einkaufen oder gar selbst mit einfachsten Mitteln weltweiten Handel betreiben. Alles kein Problem mehr.

Die Welt der Informationsgewinnung und des Informationsaustausches wurde durch das Web demokratisiert. Wer Zugang hat – die einzige noch verbliebene Hürde für viele Menschen in der Dritten Welt oder in Diktaturen – bestimmt selbst, wie (oft) er sich informiert, wie und mit wem er kommuniziert, wie er sich organisiert, was er glaubt und was nicht. Im Web gibt es keine Leitmedien mehr, etablierte Medienkonzerne sind zu Zuschauern auf dem Seitenstreifen der Informationsautobahn geworden. Softwarekonzerne konkurrieren mit Open-Source-Projekten, DIY-Portale („Do-it-yourself“) bieten selbstgemachte, individuelle Mode und graben damit am Umsatz großer Markenartikler.

Das Web etabliert in der Welt der Bits & Bytes neue Geschäftsmodelle und stellt konventionelle in Frage. Genau dies wird als nächstes, durch die zunehmende Verknüpfung von digitaler und realer Welt, auch in der realen Welt – der Welt der Atome – geschehen. Das jedenfalls ist die These von Chris Anderson, Publizist, Webunternehmer und bis 2012 Chefredakteur der amerikanischen WIRED, in dessen neuem Buch „Makers: Das Internet der Dinge: die nächste industrielle Revolution„.

Alles irgendwie bekannt?

Anderson beschreibt in seinem Buch, wie diese nächste industrielle Revolution aussehen könnte, zeigt auf, worauf sie aufbaut und zieht Parallelen zur ersten industriellen Revolution im Großbritannien des 18. Jahrhunderts, als die Textilproduktion industrialisiert wurde. Im Kern geht es demnach heute um die zunehmende „Demokratisierung der Produktionsmittel“, also die Verfügbarkeit von Maschinen, Technologie und Produktions-Know-how für eine immer größer werdende Bevölkerungsschicht – abseits etablierter Industriekonzerne und Know-how-Träger. Das Web soll es ermöglichen.

Als Beispiel führt er an, wie die weltweite Maker-Bewegung, die große Community der Amateur-Bastler und -Programmierer, schon heute immer neue Ideen für Open-Source Hard- und -Software-Projekte gemeinsam – z. B. in sogenannten Makerspaces – entwickelt und öffentlich teilt, daraus neue Lösungen für alte Probleme in der realen Welt kreiert und diese mit Hilfe des Webs kontrollier- und steuerbar macht. Mittlerweile günstig verfügbare Technologien wie 3D-Druck, Lasercutting oder CNC-Fräsen ermöglichen zudem die schnelle Produktion kleinster Auflagen von völlig neuen Produkten („Rapid Prototyping“). Der Vertrieb dieser Produkte erfolgt dann global über das Internet.

Aus Erfindern werden Unternehmer, weil sie unmittelbaren Zugang zu Produktionsmitteln erhalten, das ist das Neue! „Das Internet hat … die Angebotsvielfalt an materiellen Produkten für Verbraucher deutlich vergrößert. Aber es hat dies erreicht, indem es den Vertrieb verändert hat, nicht die Produktion“, so Anderson. Das Web wird im nächsten Schritt jedem ermöglichen, mit selbst kreierten materiellen Produkten eine weltweite, diffuse Nachfrage zu befriedigen, die lokal oder regional nicht besteht. „Die Maker-Bewegung eröffnet die Möglichkeit klein und global zu sein, handwerklich und innovativ, Hightech mit niedrigen Kosten…“, schreibt Anderson weiter.

Industrielle Produktion „on-demand“

Wenn man Andersons These folgt, so werden wir in absehbarer Zeit nicht mehr nur von „Software in the cloud“ sondern von „Production in the cloud“ sprechen. Tausende aus dem Boden sprießende Kleinstunternehmen werden sich mit Hilfe des Webs der Produktionskapazitäten großer Industrien bedienen. Diese Industrien vermieten ihre Maschinen, Anlagen und Kapazitäten, stellen professionelle Software für Design und Beauftragung kostenlos bereit – die Unternehmer selbst liefern Ideen, Designs und Prototypen per Datenübertragung direkt in die Produktion. Ein physisches Produkt herzustellen bedeutet für Start-ups dann nicht mehr, Kredite aufnehmen und Risiko eingehen zu müssen, um in teure Anlagen und Maschinen zu investieren.

Laut Chris Anderson ist die Maker-Bewegung heute auf dem Stand, den die Personal Computer (PCs) etwa 1985 erreicht hatten. Auch damals regte die plötzlich frei verfügbare Technologie die Fantasie tausender Menschen an, Unternehmen wurden gegründet und anschließend ganze Branchen verändert. In diesem Sinne ist „Makers: Das Internet der Dinge“ ein Gedankenspiel, eine Reise in die Zukunft und für mich dadurch ein sehr spannendes und inspirierendes Buch, das ich jedem zur Lektüre empfehle, der sich für die Auswirkungen der Digitalisierung, des Internets sowie die Entwicklung des Online-Handels und der industriellen Produktion interessiert.

Makers: Das Internet der Dinge: die nächste industrielle Revolution“ ist im Hanser Verlag erschienen.


Kommentare sind geschlossen.