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Aufgewachsen bin ich mit Brieffreundschaften und Lieblingsbüchern aus Papier. Den Begriff „E-Commerce“ – oder neudeutsch „Onlinehandel“ – verband ich vor Jahren noch eher mit kriminellen Machenschaften als mit virtuellen Shoppingstreifzügen durchs Internet.

Noch vor knapp 10 Jahren war für viele der Katalog das Maß aller Dinge. Eine meiner liebsten Freundinnen berichtete mir kürzlich, dass sie als kleines Mädchen den OTTO Katalog fast in seine Einzelteile zerlegt hat, um die ausgeschnittenen Kleider, Blusen, Hosen und Röcke einem Papierpüppchen anzuziehen. Was für eine wunderbare Kindheitserinnerung, oder? :-)

Gibt es sie heute noch, diese Vorfreude darauf, einen Brief der Brieffreundin im Postkasten zu finden, auf neue Lieblingsbücher, die irgendwann abgegriffen im Regal stehen werden, weil man sie so oft gelesen hat oder auf neue Mode-Kataloge auf dem Küchentisch?

Gehören Kataloge, Bücher & Co. wirklich der Vergangenheit an?

Vor kurzem ist der neue OTTO Katalog Herbst/Winter 2012 erschienen. Über 1.000 Seiten (!) stark, zum Blättern und Stöbern. Unter www.otto.de kann der Riese bestellt werden. Erstmals 1950 mit einem Umfang von 16 Seiten und einer Auflage von 300 Exemplaren erschienen, gilt ER als „Großvater“ der Kataloge.

Wenn es bei mir darum geht zu Blättern oder zu Klicken, entscheide ich mich, nun um ihre Vorzüge wissend, regelmäßig für die Online Shops meines Vertrauens. Seit Ende der 90er Jahre wächst der Internethandel in Deutschland stetig an. Für das laufende Jahr wird erneut ein Zuwachs von 13% zum Vorjahr erwartet.

Das liegt zum Glück nicht nur an mir. ;-) Bereits 2009 kauften 31,9 Millionen Menschen in Deutschland Online ein. Otto generiert mittlerweile 70% des Umsatzes über seinen Online Shop. Langfristig wird der Katalog in seiner heutigen Form wohl verschwinden bzw. durch dünnere Spezialauflagen ersetzt. Allerdings sollte man nicht unterschätzen, dass viele Menschen vor dem eigentlichen Online-Einkauf nach wie vor gern in Katalogen stöbern.

Bücher im digitalen Regal?

An das Lesen von E-Books werde ich mich nicht gewöhnen. Ich habe es ausprobiert. Es fehlen der Geruch des Papiers und das Geräusch beim Umblättern der Seiten. Ein gut gefülltes Bücherregal im Wohnzimmer hat für mich durchaus seinen Charme und birgt viele Erinnerungen. Der Großteil der deutschen Leser sieht dies aber anscheinend anders. 2010 wurden hier zu Lande bereits zwei Millionen E-Books verkauft.  Im vergangenen Jahr stieg der Absatz auf fünf Millionen elektronische Bücher an.
Verdrängt also der günstigere Preis für E-Books langfristig das Bücherregal aus unseren Wohnzimmern? Ökologisch bestimmt sinnvoll, aber auch kulturell?

Was das Briefe schreiben angeht, so sind sie leider meinem mit „Whats up“ und „Instagram“ ausgestatteten Smartphone zum Opfer gefallen. Zu leicht ist schnell mal eine SMS oder E-Mail an die Freundin oder die Familie getippt. Briefe gibt es bei mir höchstens noch in Form von Weihnachtskarten oder an Behörden.

Es gibt also keinen Zweifel daran, dass ich die Vorzüge der heutigen elektronischen Kommunikation und des World Wide Webs nicht auch nutze. Das Vermischen von Tradition und Innovation beschreibt für mich die heutige Zeit am Besten. Und irgendwie ist es ja verständlich, manchmal sogar notwendig, dass „Altes“ durch „Neues“ ersetzt wird. Wo wären wir heute, wenn alles immer so bliebe wie es ist?!

Ihre Franziska


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4 Comments
  1. Hürrem am 07. November 2012 um 17:11 Uhr |

    … Was für ein klasse Beitrag – danke! Und jetzt meine Meinung „Blättern oder Klicken“:
    Ich bin ehrlich, mich hat auch die Zeit eingeholt und von daher bin ich für das Klicken. Es ist eben einfacher geworden und man hat eben alles im Smartphone oder auf dem Tablet,aber dennoch bin ich dafür das der „Katalog“ nicht sterben darf! Zitat von Ildiko von Kürthy“ Er weckt Verheißungen, stillt Sehnsüchte und lädt zum Schwelgen ein: Der Printkatalog ist ein treuer Begleiter durch alle nur erdenklichen Welten“.. In diesem Sinne es lebe der Katalog :-)))

    • Franziska Schaefer am 08. November 2012 um 17:46 Uhr |

      Hallo liebe Hürrem,

      Vielen Dank für dein Lob :) und deine Meinung.

      Ich stimme dir zu, dass manche Dinge, trotz Weiterentwicklung, einfach bestehen bleiben müssen!

  2. Der Integrator am 10. November 2012 um 23:44 Uhr |

    „Vermischen von Tradition und Innovation“… Darf ich das verwenden? Toller Artikel – bringt es uneingeschränkt auf den Punkt.

    • Franziska Schaefer am 12. November 2012 um 09:03 Uhr |

      …es freut mich sehr zu hören, dass dir der Beitrag gefällt.
      Ich bin gespannt wo ich meine Worte wieder finde :) … und hoffe, dass sie dir zu vielen unterhaltsamen Gesprächen zu diesem Thema verhelfen.


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