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Ingo Bertram

Paketdienste auf die Busspur?!

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Kategorie: Hermes Aktuell, Technologie & Innovation, Transport & Logistik


Vor einigen Tagen hat Hanjo Schneider, Vorstand der Otto Group für das Segment Service und CEO Hermes Europe, für die Öffnung von Busspuren für Paketdienste plädiert. Gelten soll diese Ausnahmeregelung für Fahrzeuge mit Elektroantrieb oder anderen alternativen Antrieben. Ist eine solche Forderung in Deutschland umsetzbar?

Ob Hamburg, Berlin oder die Stauhauptstadt Stuttgart: Viele deutsche Großstädte kämpfen mit Verkehrsproblemen. Um der Blechlawine Herr zu werden, gibt es zahlreiche Ideen – vom Carsharing bis zum Ausbau des ÖPNV-Systems. Und auch die Paketdienste beschäftigen sich mit Lösungen, um den Lieferverkehr in städtischen Ballungsräumen zu optimieren. Schließlich steigt aufgrund des E-Commerce-Booms die Anzahl der Pakete weiter an, entsprechend mehr Transporter müssen auf die Straße. Und das nicht aus Selbstzweck, sondern um den Wünschen der Kunden nach einer schnellen und bequemen Lieferung nachzukommen. Umso wichtiger ist deshalb die Entwicklung einer ausgeklügelten „City-Logistik“.

Freie Fahrt für Paketdienste – aber bitte elektrisch

Die Öffnung von Busspuren ist dabei nur einer von vielen Lösungsansätzen. Die Idee: Paketdienste, die Elektrofahrzeuge oder Fahrzeuge mit anderen alternativen Antrieben nutzen, sollen künftig in Großstädten die Busfahrstreifen mitbenutzen können. Damit wären die Pakete nicht nur schneller beim Kunden. Die Paketdienste würden zudem ein für jedermann sichtbares Zeichen setzen, dass Elektromobilität in Deutschland eine Zukunft hat – und das nicht nur im Hinblick auf die Emissionswerte ein Umstieg lohnt. Auswirkungen würde ein solches Privileg darüber hinaus auch auf die generelle Akzeptanz von Elektromobilität in Deutschland haben. Schließlich will die Bundesregierung bis 2020 insgesamt eine Million Elektrofahrzeuge auf die deutschen Straßen bringen. Sonderrechte für elektrisch betriebene Fahrzeuge können helfen, dieses Ziel wie geplant zu erreichen.

Umweltfreundliche Paketzustellung mit Hermes - 100 Prozent elektrisch betrieben

Auch die Politik denkt über Busspur-Öffnung nach

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte bereits Anfang des Jahres eine Öffnung von Busspuren für E-Fahrzeuge befürwortet. „Ich werde ein Elektromobilitätsgesetz auf den Weg bringen, mit Privilegien für E-Autos: zum Beispiel bei Parkplätzen oder bei der Benutzung von Busspuren“, sagte Dobrindt gegenüber der Rheinischen Post. Bislang sind Busfahrstreifen ausschließlich Omnibussen im Linienverkehr vorbehalten. Abweichend davon können Zusatzschilder – auch zeitlich begrenzt – die Benutzung für Busse des Gelegenheitsverkehrs (z. B. Reisebusse), Taxis oder Fahrräder freigeben.

Hanjo Schneider sieht die Städte und Kommunen am Zug: „Die Politik sollte solche Initiativen unterstützen, wenn die Innenstädte dadurch von Abgasen befreit und der Verkehr entzerrt wird“, so Schneider in der Wirtschaftswoche. In diesem Rahmen sei selbst die Nutzung neutraler Elektrofahrzeuge denkbar, die für Hermes, Post, GLS, DPD und andere Dienste gemeinsam zustellen. Schneider: „Aus Verantwortung für die Umwelt müssen wir auf jeden Fall offen sein, solche Themen zu diskutieren. Selbst wenn die einzelnen Marken dabei ein Stück weit in den Hintergrund treten.“

Die Branche muss zusammenrücken

Klar ist aber auch, dass es weiterer Lösungen bedarf, um den innerstädtischen Transportverkehr der Zukunft nachhaltig optimieren zu können. Das jedoch setzt Gesprächsbereitschaft in der Branche voraus – nicht nur bei den Themen Busspur und E-Mobilität, sondern auch z.B. bei der geplanten Einführung von Paketkästen. Denn wirklich effizient und nachhaltig kann ein solches System nur dann funktionieren, wenn alle Paketdienste gleichermaßen die neuen Kästen nutzen können. Einen Alleingang hingegen sieht auch Hanjo Schneider kritisch: „Wenn jeder Wettbewerber nun blaue, gelbe, rote oder weiße Boxen vor die Haustüren stellt, die andere nicht nutzen können, ist das ökonomischer und ökologischer Unsinn. Sinnvoll wäre es, eine neutrale und für alle Paketversender zugängliche Box aufzustellen – zum Beispiel in Gegenden, die für Endverbraucher gut erreichbar sind.“


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