Jobeinstieg bei Hermes: Meine Erfahrungen beim Wechsel vom Start-Up in den Konzern

Verfasst von: | Keine Kommentare
Kategorie: Hermes Aktuell, Jobs & Karriere, Mitarbeiter & Leben


Seit dem 1. Juli bin ich als Online Produkt Manager bei Hermes tätig – nachdem ich die letzten drei Jahre mein eigenes Start-Up, die Fair Trade Sprachschule glovico.org, aufgebaut habe. Nun bin ich vier Wochen an Bord und habe einiges an Konzernluft geschnuppert. Ein guter Zeitpunkt, um die noch frischen Eindrücke niederzuschreiben. Denn eine Veränderung ist ein solcher Wechsel allemal.

Start-Ups leben von ihrer Geschwindigkeit und Flexibilität. Features werden entworfen und können ein paar Tage später live gehen, Apps werden konzipiert und stehen sechs Wochen später im App-Store und Webseiten werden kontinuierlich optimiert und den Kundenbedürfnissen angepasst. Dagegen ticken die Uhren in einem Konzern etwas langsamer. Schon ein kleines neues Feature auf der Homepage kann auch mal länger auf sich warten lassen. Denn bei einer Webseite, die täglich hunderttausende Besucher hat, müssen auch kleine Änderungen erst einmal ausführlich auf Sicherheit, Stabilität und Nutzen hin geprüft werden – schließlich ist die Überarbeitung einer Homepage immer Arbeit am offenen Herzen. Neben der sinnvollen Entschleunigung der Prozesse in einem Konzern kommen jedoch auch Prozessanforderungen auf den Tisch, die jemanden aus der Online-Startup-Welt sehr herausfordern.

Flexibilität vs. Erfahrung

Flexibilität ist die andere Seite der Medaille, die die Geschwindigkeit eines Start-Ups mit sich bringt. Wenn schnell Features gelauncht werden und sie sich nicht beweisen, dann werden sie auch schnell wieder eingestellt. Die zentrale Messlatte für neue Produkte und Features ist der Markt, so dass Startups weniger Aufwand in die konzeptionelle Phase vor der Einführung eines Produkts stecken als der Konzern, dafür aber bereits Entwickeltes auch schneller wieder offline nehmen, wenn sich zeigt, dass es nicht zum Geschäftserfolg beiträgt. Solches „Pivoting“ oder Wechseln des Geschäftsmodells ist Teil der Navigation eines Startups auf dem Weg zum profitablen Unternehmen. Konzerne dagegen sind in ihren Geschäftsmodellen bereits deutlich etablierter, dürfen damit weniger Risiken in Kauf nehmen, was den konzeptionellen Aufwand vor der Einführung von neuen Features erhöht.

Die Schattenseite der Geschwindigkeit und Flexibilität von Start-Ups ist jedoch, dass 8 von 10 schnell wieder von der Bildfläche verschwinden. Nur durchschnittlich 1 von 10 Start-Ups wird langfristig erfolgreich. Und ein Start-Up Team bringt in vielen Prozessen deutlich weniger Erfahrung mit. Während ein Konzern jahrelanges Know-how in allen Facetten des Geschäftsbetriebs aufgebaut hat, muss sich ein Start-Up Vieles erst erarbeiten und Strukturen aufbauen. Dies bringt mit sich, dass man auch mal chaotische Strukturen aushalten muss.

Work-Life-Balance

Last but not least sind in Start-Ups ausufernde Arbeitszeiten die Norm. Eine Wochenarbeitszeit von 60 bis 70 Stunden ist im Start-Up keine außergewöhnliche Sache und auch die Wochenenden sind meist mit Arbeit beladen. In einem Konzern mit klar bestimmten Rahmenarbeitszeiten ist eine vernünftige Work-Life-Balance deutlich leichter zu verwirklichen.

All diese Vor- und Nachteile habe ich reiflich abgewogen und für mich waren es letztlich zwei Gründe, die ausschlaggebend waren, mich für Hermes zu entscheiden. Zum einen die Tatsache, dass einmal getroffene Entscheidungen viel mehr Menschen erreichen. Zum anderen, dass ich von ganz vielen Spezialisten lernen und mich auf diese verlassen kann, was eine deutliche Erleichterung demgegenüber ist, sich im Start-up alles selber beibringen zu müssen. Dazu kommt ein dritter Grund, den ich jedoch erst vor Ort wirklich zu schätzen gelernt habe – und das sind die tollen Kollegen. Nicht zuletzt läuft Glovico auch weiter nebenher, so dass ich immer mal wieder nach Feierabend Start-Up-Luft schnuppern kann.

Nach der Einarbeitungsphase liegen nun auch erste Projekte auf meinem Tisch und ich kümmere mich fortan um die Weiterentwicklung einer Schnittstelle für die technische Anbindung von Geschäftskunden, betreue aber auch Themen wie die Einführung eines Live-Chat-Tools für den Kundenservice. Ein bunter Strauß an Herausforderungen: Ich freue mich darauf!

 


Kommentare sind geschlossen.