Miriam Duma

Agile Coach in Zeiten von Corona: Was hat sich verändert?

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Kategorie: Gastbeiträge & Interviews, Hermes Aktuell, Jobs & Karriere, Technologie & Innovation


Dana ist Agile Coach in der Abteilung „Parcel Solutions“ und seit eineinhalb Jahren bei Hermes. Die Arbeitsweise vieler Kolleg*innen hat sich durch Corona teilweise verändert. Büros werden in die eigenen vier Wände verlegt und Arbeitskollegen trifft man in virtuellen Meetings. Heute gibt Dana uns einen Einblick, wie sie die letzten Wochen im Homeoffice verbracht hat.

Beschreibe deine Tätigkeit etwas genauer – wie arbeitet ihr im Team zusammen?

Ich bin Teil des BlackOps Teams „Sortierung und Sortieralgorithmen“. Wir sind aktuell ein 10-köpfiges Team, bestehend aus Entwicklern, Testern und einem Product Owner. Wir arbeiten im agilen Projektmanagement nach dem Framework Scrum. Hier haben wir festgelegte Rollen und Events, wobei ich die Rolle des Scrum Masters einnehme. Meine Aufgabe ist es, das Team von äußeren Einflüssen zu schützen, unseren Scrum Prozess zu beobachten, stetig zu verbessern oder auf Hindernisse hinzuweisen. Des Weiteren moderiere ich auch Events und Workshops.

Wie hat sich deine Arbeit aufgrund der aktuellen Corona-Situation verändert?

Durch Corona hat sich meine Arbeit nicht wirklich verändert. Zu Anfang war ich skeptisch, hatte mit einer Umstellung gerechnet. Aber letztendlich sind meine Aufgaben die gleichen geblieben. Der einzige Unterschied ist, dass durch Remote-Meetings viel verloren geht, wie das Zwischenmenschliche. Ich muss jetzt immer noch genauer zuhören und mitschneiden, um gegebenenfalls Herausforderungen oder Konflikte herauszuhören. Aber an sich hat sich mein Arbeitsalltag kaum verändert. Das liegt vor allem daran, dass es für uns im Team auch vor COVID-19 möglich war, im Homeoffice vollumfänglich zu arbeiten, von daher war es keine enorme Umstellung.

Welche Herausforderungen und Chancen siehst du momentan für dich und dein Team?

Ich finde, dass wir die Herausforderungen nutzen sollten, um weitere Chancen zu ergattern. Im Team lernen wir uns gerade auf eine andere Art und Weise kennen, was ich sehr spannend finde. Wir müssen viel mehr kommunizieren und proaktiver sein als im Büro. Sonst ist man abgehängt. Ich merke auch, dass unsere Chat-Kanäle durch Corona richtig in Fahrt kommen.

Hat sich die Stimmung und die Leistung seit Corona verändert?

Die Stimmung bei uns im Team ist eigentlich immer ziemlich gut. Auch die Leistung hat sich gesteigert. Wir arbeiten an vielen Projekten und Aufgaben. Ich merke zudem, dass meine eigene Produktivität zunimmt. Das liegt aber auch daran, dass es einem manchmal schwerfällt, mit der Arbeit aufzuhören, wenn dein „neuer Arbeitsplatz“ einen Raum weiter ist.

Wie erlebst du besondere soziale Ereignisse in eurem Team/Abteilung, wenn sie remote stattfinden?

Ende März hat uns ein Kollege verlassen und wir mussten den Abschied spontan remote machen, das war selbst noch Tage danach ein komisches Gefühl. Ein weiteres Thema sind Geburtstage. Wir haben für zwei Kollegen im Daily gesungen. Ich glaube, es war für alle ein witziger Moment. Deswegen ist es umso wichtiger, soziale Ereignisse per Videocall so „echt“ wie möglich zu halten, sonst fehlt einfach das Persönliche. Bei einem Abschied sind normalerweise alle Kolleg*innen zusammen. Jetzt sitzt jeder mit seinen Kopfhörern zuhause und starrt auf den Bildschirm, das ist schon merkwürdig. Wir versuchen trotzdem jeden Tag das Beste aus der Situation zu machen und sind alle sehr positiv gestimmt :-)

Was gibst du anderen Personen mit, um die jetzige Krise so gut es geht zu überstehen?

Ein wichtiger Tipp: Durchhalten trotz Lagerkoller und trotzdem Spaß an seiner Arbeit haben. Wenn man Sehnsucht nach den Kolleg*innen hat, einfach mal für einen virtuellen Kaffee anrufen. Ich versuche mir bewusst zu machen, dass wir auch als Organisation gerade eine super spannende Zeit durchmachen. Jede Art von Austausch und Kommunikation in dieser Phase ist wichtig – und ich versuche alles mitzunehmen. Seien es Tools, Tricks oder coole Methoden. So eine Möglichkeit, verschiedenste Dinge remote zu testen und auch die Gruppendynamik zu beobachten, wird sich eventuell nie wieder ergeben. Ich möchte viel beobachten und Schlüsse daraus ziehen. Diese Tipps empfehlen sich meiner Meinung nach für jeden Bereich.

Worauf freust du dich am meisten, wenn es zurück ins Büro geht?

Am meisten freue ich mich natürlich auf mein Team und meine Agile Coach Kollegen. Wir haben einiges nachzuholen und freuen uns schon auf einen Kaffee – wenn auch mit Abstand. ;-)

Vielen Dank liebe Dana für den spannenden Einblick in deine Arbeit! Wir wünschen dir weiterhin alles Gute und eine gute Zeit im Homeoffice.


1 Kommentar

  1. Christian Reiner am 01. Mai 2020 um 16:45 Uhr |

    Hallo Dana,
    ganz vielen Dank für deinen interessanten Beitrag! Ich bin überzeugt, dass deine klare Schilderung sich in vielen Punkten deckt mit den Erfahrungen vieler anderer Betroffener. Herausheben möchte ich ich einen Satz, den du geschrieben hast: „Ich finde, dass wir die Herausforderungen nutzen sollten, um weitere Chancen zu ergattern. „…

    Für mich selber tritt diese Haltung mehr und mehr in den Mittelpunkt der Entwicklungen. Nach anfänglicher Skepsis in Kombination mit dem simplen Verständnis, dass es schlicht keine Alternative zum generellen HomeOffice bin ich inzwischen tief beeindruckt, wie effizient und erfolgreich in der anfangs ungewohnten Situation gearbeitet wird. Ich selber war immer überzeugt von Präsenzarbeit, mochte HomeOffice selber nicht. Auch wenn ich Verständnis hatte für andere Sichtweisen und auch durchaus sehr gut funktionierende Konstellationen erleben durfte. Das wandelt sich aber gerade massiv. Gerade aufgrund der aktuell fast durchweg positiven Erfahrungen.

    Und daher rückt den Satz oben eben an eine mehr und mehr zentrale Stelle…
    Tatsächlich denke inzwischen, dass es richtig ist nicht mehr in der klassischen Kategorie von Ausnahmesituation und „zurück zur Normalität“ zu denken. Das ist das, was wir intuitiv machen, Menschen sind Gewohnheitstiere, was ja erst einmal nichts negatives ist. Allerdings würde solch eine Rückkehr automatisch auch viele der neu gewonnen Erkenntnisse, Freiheiten und Möglichkeiten anulieren. Und das ist doch eigentlich dumm! Lasst uns doch lieber den Schritt nach vorne machen und endlich die starre Haltung des „Normalfalls“ hinter uns lassen. Nichts dagegen, wenn Mitarbeiter wieder im Büro arbeiten, wann auch immer das vielleicht wieder möglich sein wird. Aber ich wehre mich inzwischen dagegen, dass das als „normal“ betrachtet wird.
    Mein Vorschlag: lasst uns die neuen Freiheiten als „normal“ einstufen. Das erhält so viele Vorteile. Viel mehr Flexibilität für Mitarbeiter, ein viel, viel, viel größerer Markt an Talenten, die für die Mitarbeit gewonnen werden können, wenn man endlich das konservative Korsett des klassischen Büroalltags hinter sich lässt.

    Das muss dann allerdings auch mit massiven organisatorischen Änderungen einhergehen: weg vom Selbstverständnis, dass es entweder einen Parkplatz oder ein ProfiTicket für den ÖPNV gibt, was soll jemand, der woanders arbeitet damit anfangen? Warum wird der schlechter behandelt als andere, hat halt „Pech gehabt“? Übernahme der anfallenden Arbeitskosten für HomeOffice, also Internetanschluss, Stromzuschuss, Verpflegungspauschale statt Subvention der Kantine im Büro. Aktives Betreiben dezentraler Arbeitsräume, ähnlich Seminarhäusern, wo Präsenzarbeit nach Bedarf organisiert werden kann. Automatisch viel mehr Austausch über Firmengrenzen hinweg, weil natürlich die Scheuklappen weg fallen, wenn man eben nicht mehr nur Kollegen im Arbeitsfeld um sich hat. Massive Verbesserung der IT-Sicherheit, weil notwendigerweise echte Lösungen geschaffen werden anstatt dass man sich auf den pseudo-sicheren Hafen des „internen Netzwerkes“ verlässt. Und und und.
    Ich frage mich inzwischen, warum es erst so eine Krise geben muss, damit diese offensichtlichen Vorteile bemerkt werden…