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Vera Benning

Mythos Bundesliga-Mannschaft – oder doch ein ganz normales Unternehmen?

Verfasst von: | Keine Kommentare
Kategorie: Bundesliga, Fundstücke & Anekdoten, Veranstaltungen & Events


Kindheitstraum Fußballprofi, obwohl man(n) wahrscheinlich auch (Männer)Traum sagen kann… Eine Profi-Fußballmannschaft – für viele etwas ganz besonderes, ein Mythos. Doch unterscheiden sich Bayern, Schalke, Dortmund und Co. wirklich so sehr von einem „normalen“ Unternehmen oder gibt es vielleicht mehr Parallelen und ähnliche Strukturen als es auf den ersten Blick scheint? Frank Rausch, CEO der Hermes Logistik Gruppe Deutschland (HLGD), Jens Lehmann, ehemaliger Nationaltorhüter und Gerhard Delling, Sportjournalist, sind beim Hermes Kabinengespräch in der VELTINS-Arena „Auf Schalke“ in einer kleinen Talkrunde von etwa 30 fußballbegeisterten Kunden genau dieser Frage nachgegangen.

Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann beim Hermes KabinengesprächSchnell wurde deutlich: Vieles, was Jens Lehmann in seiner erfolgreichen Karriere als Torwart bei verschiedenen großen Fußballclubs erlebt, gelernt und verinnerlicht hat, kann auch Frank Rausch in seiner Position als CEO der HLGD bestätigen. Denn: Im Prinzip ist jedes Unternehmen eine große Mannschaft.

Um erfolgreich zu sein muss sowohl eine Mannschaft als auch ein Unternehmen als Kollektiv auftreten, Spieler sollten sich in den Dienst der Mannschaft stellen und persönliche Empfindlichkeiten (weitestgehend) zurückstecken. Wie wichtig es ist, eine Mannschaft zu sein und nicht eine Ansammlung einzelner Stars im gleichen Trikot, zeigt, so Lehmann, der Gewinn des UEFA-Cups des FC Schalke 04 im Jahr 1997. Nachdem sich der Verein aus dem Ruhrgebiet überraschend für den internationalen Wettbewerb qualifiziert hatte, rechnete niemand mit einem erfolgreichen Abschneiden. Der Grund: Abgesehen von Olaf Thon, der wohl der populärste Spieler in den Reihen der „Eurofighter“ war, waren die anderen außerhalb der Bundesliga eher unbekannt. Doch alle Skeptiker wurden eines Besseren belehrt: Die Mannschaft präsentierte sich als Einheit, siegte im Finale gegen das Starensemble von Inter Mailand und holte „den Pott in den Pott“. Auch der Weltmeistertitel der deutschen Nationalmannschaft 2014 in Brasilien sei das Produkt eines festen Zusammenhalts innerhalb der Mannschaft, ist Lehmann sich sicher.

Doch auch wenn sich alle als Einheit präsentieren, heißt das nicht, dass nicht kritisiert werden darf. Im Gegenteil: Frank Rauch wünscht sich von seinen Mitarbeitern konstruktive Kritik. Dabei müssen es nicht immer die ältesten und erfahrensten Mitarbeiter sein. Wichtig ist nicht die Position sondern die Aussage. Das kann auch Jens Lehmann nur bestätigen. Während der WM im eigenen Land 2006 seien es nicht ausschließlich langjährige Nationalspieler wie Kahn oder Klose gewesen, die Ansprachen an die Mannschaft richteten. Auch ein zu dem Zeitpunkt vergleichsweise unerfahrener Philipp Lahm hat mir seinen damals 23 Lenzen in der Kabine das Wort ergriffen – und alle haben zugehört!

Stetig ist der Wandel

Viele Spieler des Sommermärchens von 2006 sind längst nicht mehr aktiv auf dem Rasen zu sehen. Es hat ein „Generationenwechsel“ stattgefunden. Statt Lehmann, Ballack und Metzelder steht heute Neuer, Özil und Höwedes hinten auf dem Trikot und die nächste Generation der „Gaudinos“ und „Sanés“ steht schon mit geschnürten Fußballschuhen in den Kabinengängen. Doch nicht nur die Namen haben sich geändert. War es vor der WM im eigenen Land 2006 noch verpönt, vor den Spielen in der Kabine Musik abzuspielen, ist dieses Ritual heute nicht mehr wegzudenken. Es werden sogar extra Spieler bestimmt, die für die richtige Musikauswahl verantwortlich sind. Das Smartphone ist zu einem stetigen Begleiter geworden, Selfies von „Angie und Poldi“ gingen nach dem 4:0-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft über Portugal während der WM 2014 über sämtliche Social-Media-Kanäle und Tattoos gehören in der heutigen Zeit zum guten Ton. Gefühlt haben 95 Prozent der Bundesliga-Spieler irgendwo, oder auch überall, den mal mehr, mal weniger auffälligen Körperschmuck, wahlweise in schwarz-weiß oder auch farbig. Doch nicht nur im Fußball beziehungsweise im Habitus der Spieler hat ein Wandel stattgefunden. Auch Frank Rausch beobachtet neue Prioritäten und Ansprüche bei seinen jüngeren Mitarbeitern. So werde in Vorstellungsgesprächen beispielsweise immer häufiger nach einer betriebsinternen Kita und Arbeitszeiten im Gleitzeitmodell gefragt, eine ausgewogene Work-Life-Balance hat in der Personalpolitik an Bedeutung enorm zugenommen. Sowohl Fußballmannschaften als auch Unternehmen stehen daher vor der Herausforderung, die verschiedenen Generationen erfolgreich zu einer Einheit, zu einer Mannschaft, zu formen, um sich am Markt erfolgreich behaupten zu können.

Wir können uns also merken: Der Mythos Bundesliga-Mannschaft ist gar nicht so besonders wie man(n) immer denkt! Uns sollte diese Erkenntnis allerdings nicht überraschen, denn bei genauerer Betrachtung wird schnell klar: Auch Bundesliga-Clubs sind heute Unternehmen, die nach wirtschaftlicher Gewinnmaximierung streben, damit eine erfolgreiche Mannschaft zusammengestellt werden kann und unterscheiden sich in diesem und vielen weiteren Punkten nicht von anderen Firmen. Trotzdem wird die Faszination, die vom Fußball ausgeht, auch durch die zunehmende Kommerzialisierung nicht geringer werden. Es ist und bleibt die wahrscheinlich „schönste Nebensache der Welt“!

Übrigens: Hier finden Sie alle Informationen zum Bundesliga-Sponsoring von Hermes.


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