Bettina Kudlich

Es müssen nicht immer die Alpen sein – Wandern auf dem Jesus-Trail in Galiläa

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Kategorie: Fundstücke & AnekdotenMitarbeiter & Leben


Wandern ist meine große Leidenschaft. Klassische Wanderziele wie die Alpen und Schottland standen immer wieder auf meinen Urlaubsplänen. Als dann letztes Jahr eine Freundin von dem Jesus-Trail in Israel berichtete, dachte ich mir: Warum fahre ich nicht einmal dort hin? Es ist zwar kein klassisches Wandergebiet, aber vielleicht ist gerade dies eine hervorragende Möglichkeit, fernab vom „Massen-Wander-Tourismus“ die Natur zu genießen. Im Februar ging es für mich daher zusammen mit vier Freundinnen zum Wandern gen Israel.

Der Jesus-Trail entstand 2007 auf Initiative eines Israelis und eines Amerikaners und führt sowohl an israelischen als auch an arabischen Ortschaften vorbei. Er ist ein viertägiger, 65 km langer Wanderweg zwischen Nazareth und Kafernaum am See Genezareth, der sowohl christliche Pilger als auch geschichts- und kulturinteressierte Touristen anzieht. Nachdem anfangs jährlich ca. 500 Touristen diesen Wanderweg genossen, waren es letztes Jahr bereits 15.000 Wanderbegeisterte, die in Galiläa historisch bedeutende Stätten und die traumhaft schöne Natur bewunderten.

Jesus Trail Karte JesusTrail.com

 

Unser Startpunkt war das Fauzi Azar Inn, eine alte Herberge, die Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Durch die engen Gassen und Märkte Nazareths verließen wir langsam die Zivilisation und es eröffnet sich ein atemberaubender Ausblick auf Olivenhaine und Kegelberge, fruchtbare Felder und grüne Wiesen, die häufig von Alpenveilchen und Mohn bedeckt waren. Die erste Etappe führte uns durch den Nationalpark Zippori und endete dann an der Hochzeitskirche in Kafr Kanna, wo Jesus dem Johannesevangelium zufolge Wasser in Wein verwandelte. 

In den nächsten drei Tagen folgte dann ein Highlight nach dem anderen: So führte uns der Jesus-Trail zu einem Heiligtum der Drusen, dem Grab des Propheten Schuaib. Die Drusen sind eine Religionsgemeinschaft, die sich vor 1.000 Jahren aus dem Islam heraus entwickelte und deren Anhänger vorwiegend in Israel und Syrien leben.

Ein weiteres Ziel unserer Wanderung waren die Hörner von Hattim, einem Berg wenige Kilometer westlich des Sees Genezareth. Bekannt wurden die Hörner von Hattim v.a. wegen einer Schlacht im 12. Jahrhundert, bei der Kreuzfahrer weite Teile ihres „Königreiches Jerusalem“ und Jerusalem selbst verloren. In der Ferne konnten wir da bereits unser Ziel für Tag Nr. 4 sehen, die Klippen von Arbel. Von den Klippen aus wurden wir mit einem wunderschönen Blick auf den See Genezareth und den schneebedeckten Mount Hermon belohnt. Nach vier Tagen erreichten wir dann unsere letzte Station Migdal und genossen nochmals das herrliche israelische Essen und die Gastfreundschaft der Israelis.    

An unserem letzten Tag in Galiläa hatten wir noch Zeit, einige historisch sehr interessante Stätten am See Genezareth anzusehen: das Fischerdorf Kafernaum, an dem Jesus und einige seiner Jünger gelebt haben sollen, den Berg der Seligpreisung und die Brotvermehrungskirche in Tabgha.

 

Wer Erholung pur sucht, dem sei dieser wirklich außergewöhnliche Wanderweg empfohlen. Da der Schwierigkeitsgrad des Wanderweges recht gering ist, können sich auch Wander-Anfänger ohne Probleme dieser Herausforderung stellen.


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