Ulrich Hinck

Heißes Pflaster – Meine Reise an den Golf von Neapel

Verfasst von: | 3 Kommentare
Kategorie: Fundstücke & AnekdotenMitarbeiter & Leben


Ich möchte heute einmal von einer ganz besonderen Reise berichten.
Wenn ich nach Italien reise, dann fahre ich auch immer mal wieder gerne an den Golf von Neapel. Diese Reise führte mich nun in die Nähe von Neapel, und zwar zum Eingang der Unterwelt nach alter römischer Vorstellung, in eine wahrhaft höllisch anmutende Gegend und im wahrsten Sinne des Wortes „heißes Pflaster“.

Dieses ʺheiße Pflasterʺ ist in nur etwa 30-40 Minuten mit der Metro von Neapel aus erreichbar und befindet sich am Stadtrand von Pozzuoli. Die Rede ist von dem erdgeschichtlich jüngsten Vulkan, dem Vulcano Solfatara, in den Phlegräischen Feldern. In Italien finden sich die bedeutendsten aktiven Vulkane Europas, wie der Ätna, der Stromboli und der zur Zeit nicht aktive Vesuv.

Das Besondere dieses Vulkans ist jedoch, dass man dort nicht nur einen Spaziergang in einem aktiven Vulkankrater machen kann, man kann dort sogar übernachten. Es gibt dort einen Campingplatz mit einem, wie der Reiseführer erwähnt, „wohlsortierten Supermarkt“ – mitten im aktiven Krater! Eine weitere Besonderheit ist, dass sich dieser Vulkan in Privatbesitz befindet, vielleicht der einzige auf der Welt, einschließlich eines kleinen Eintritts.

Karte Neapel; Quelle: Lange-Diercke - Sächsischer Schulatlas, 1930, wikipedia.org

Der Krater dieses Vulkans hat einen Durchmesser von ca. 770 m und am Kraterrand erheben sich schon die ersten Wohnhäuser von Pozzuoli. An mehreren Stellen treten heiße Schwefeldämpfe aus und das Gebiet ist bis auf die Randzonen völlig leblos, kein Grün, keine Pflanzen. Ein kleiner Tipp für ein Experiment: Wenn man einen Stein auf den Boden fallen lässt, hört sich der Untergrund erschreckend hohl an.

Der Hintergrund für die reiche vulkanische Aktivität der Region ist nämlich, dass sich der ganze Golf von Neapel auf einer riesigen Magmablase befindet. Diese Magmablase ist ständig in Bewegung und bläht sich zeitweise stark auf und zieht sich dann wieder zusammen. Dies führt dazu, dass die Stadt Pozzuoli mal im Meer absinkt und dann wieder auftaucht (die Auf- und Abbewegungen können 10 m betragen). Derzeit sinkt das Hafengebiet ab (bislang ca. 2 m). Größtenteils im Golf versunken ist das antike Baia, das heute als das „Unterwasser-Pompeji“ gilt und ein interessantes Ziel für Taucher ist.

Was einerseits so faszinierend ist, hat leider auch eine traurige Kehrseite und diese besteht aus häufigen Erdbeben, die aufgrund der geologischen Situation ganz Italien betreffen, mit immer wieder zahlreichen Opfern. Ebenso sind ständig einmalige Kunstschätze bedroht. In Italien befinden sich die meisten Stätten des Weltkulturerbes der Menschheit. Italien liegt noch vor China an erster Stelle auf der Liste der UNESCO (Stand 03/11). Darüber hinaus enthalten die Bibliotheken Italiens rund 50% des Gedächtnisses der Menschheit (eine Angabe aus dem Mai 2012).

Diese Reise nach Pozzuoli war für mich ein höchst beeindruckender Ausflug in eine Gegend, wo die vulkanischen Aktivitäten in Europa auf kleinstem Raum sehr anschaulich erfahrbar werden. Zudem zeigt uns Italien, wie eng doch oft Schönheit und Zerbrechlichkeit beieinander liegen können.

Ich freue mich schon jetzt auf weitere Aufenthalte in Italien und würde mich auch freuen, demnächst weiter aus Italien zu berichten. Übrigens gibt es auch Hermes in Italien.


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3 Kommentare

  1. Edgar Herz am 20. November 2012 um 12:56 Uhr |

    Hi Ulli,
    wieder ma sehr intressant.
    Da bekommt man ja Lust auch mal hinzufahren.
    Ich bin schon auf den nächsten Blog gespannt.

    • Ulrich Hinck am 22. November 2012 um 09:07 Uhr |

      Hallo Edgar,
      vielen Dank für den Kommentar!
      Übrigens, wenn die farblich unterlegten Wörter angeklickt werden, gibt es mehr Informationen ;-)
      Schöne Grüße
      Ulrich

  2. N.F. aus HH am 22. November 2012 um 12:02 Uhr |

    Hallo Ulrich,
    ein spannender Reisebericht! Bei Schlagwörtern wie „Vulkan“ und „Italien“ denkt man ja zunächst an den Ätna auf Sizilien. Vielleicht lesen wir darüber ja in Deinem nächsten Beitrag?!